Wenn Chris­ten die Gott­heit Jesu verwerfen

Ob es wirklich «Gott» war, der auf diese Welt kam, um sich von seinen Geschöpfen blutig ans Kreuz schlagen zu lassen, darüber wurde schon in der Antike gestritten. Doch hatten alle Lehren, welche die Gottheit Jesu verwarfen, nicht die geringste Chance, bei einflussreichen Theologen und der breiten Masse der Christen zu landen. Zu deutlich waren die Aussagen des Neuen Testamentes, welche Jesus als Gott benannten.

So liessen auch altkirchliche Bekenntnisse keinen Zweifel daran, dass Christen den dreieinen Gott (Vater, Sohn und Heiliger Geist) anbeteten. Auch die Katholische Kirche übernahm das trinitarische Bekenntnis beim Konzil von Nicäa (325 n.Chr.) ohne Widerrede. Die Kirche Roms war in Spätantike und Mittelalter trinitarisch.

Daran änderte auch die Reformation ab 1517 und in Folge die unitarischen Angriffe auf die Trinität nichts. Die christlichen Kirchen der verschiedenen Konfessionen verschrieben sich auch weiterhin dem dreieinen Gott.

Die «Aufklärung» wirft Gott über Bord

Erst in der Aufklärung im 18. Jhd. verneinten kritische Denker vor aller Welt die Gottheit Jesu. Natürlich war das nicht alles, was Rousseau, Kant & Co. über Bord warfen. Quasi alles, was die Bibel an Übernatürlichem zu bieten hatte, wurde der Vernunft geopfert: die Wunder, die Auferstehung Jesu, der Teufel, die Hölle u.v.m..

Vordenker der Aufklärung, die sich nicht gerade dem Atheismus verschrieben, frönten in Folge einer verwässerten Form von Christentum: Deismus oder Agnostizismus. Diese Lehren vertreten eine vernunftbestimmte, jederzeit veränderbare Gottesdefinitionen. «Jeder nach seiner Façon!», wie der «aufgeklärte» Friedrich II. von Preussen es nannte.

Diese säkulare Allbeliebigkeit mutierte in den reformierten Kirchen dann schnell zur «liberalen Theologie». Die Bibel wurde zurechtgestutzt zum "Bibelchen". Zu einem seichten, stets variablen Moralkodex, der reformierten Gutmenschen seither attestiert, wie mitmenschlich und gottgefällig sie sind. «Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist der humanste im ganzen Land?» Die unbiblische, liberale Lehre treibt leider bis heute ihr Unwesen mit dem drastisch schrumpfenden Kirchenpublikum.

In konservativen Kirchen (Orthodoxe, Katholiken) hatte die liberale Theologie bis vor wenigen Jahren noch wenig Einfluss. Doch heute wüten auch in diesen alten Mauern die «Aufgeklärten», um Jahrhunderte alte Fundamente zum Einsturz zu bringen.

Freikirchen verabschieden sich von der Treue zur Bibel

Noch resistenter gegen bibelkritische Theorien waren lange Zeit die evangelikalen Freikirchen. Die Treue zur Bibel war dort bis gegen Ende des 20. Jahrhunderts sprichwörtlich. Da viele Freikirchen jedoch ihr ausgrenzendes Sektenimage abstreifen wollten, öffneten sie sich nach der 68er-Kulturrevolution allmählich auch bibelkritischer Theologie.

Der Ehrlichkeit halber nennt sich ein Teil dieser "Progressiven" «postevangelikal». Sie geben vor, über einengendes Bibelverständnis hinausgewachsen zu sein und nun die wahre Liebe Gottes zu verkünden. Sie würden sich selbst wohl nicht als «bibelkritisch» bezeichnen. Vielmehr haben sie die Kunst der «Kontextualisierung» entdeckt, die ihnen die Freiheit gibt, Bibeltexte mit ganz neuen Augen zu lesen. Die Resultate gleichen dann aber oft jenen der liberalen Theologie. Gebote Gottes, die seit 3500 Jahren unumstössliche Gültigkeit hatten (z.B. das christliche Verbot der Homosexualität), werden umgedeutet und annulliert. Dies führte inzwischen zu völlig neuen Freikirchenmodellen in den hellsten Regenbogenfarben.

Der lasche und selektive Umgang mit der Bibel hat in ehemals bibeltreuen Kreisen offenbar Schule gemacht. So heischen auch in der freikirchlichen Öffentlichkeit der biederen Schweiz in den letzten 20 Jahren vermehrt Lehren um Aufmerksamkeit, die in wichtigen Fragen von traditionellem Bibelverständnis abweichen. Eine dieser Lehren bestreitet wie eingangs erwähnt die Gottheit Jesu.

Christliche Leiter deuten die Natur Jesu um

Öffentlich fassbar in der freikirchlichen Öffentlichkeit der Schweiz wurde die Lehre erstmals durch die Publikation eines bekannten freikirchlichen Leiters. 2016 veröffentlichte Dr. Markus Schildknecht das Buch: «Vaterhaus. Leben im Vaterhaus. Christlicher Glaube fundiert». Schwendi, 2016. Der Autor war bis 2012 Präsident eines grossen Gebetsnetzwerks und ist heute Präsident des Gebetshauses Amden.

Dass die Lehre Schildknechts in kirchlichen Medien bisher keinen vehementen Widerspruch auf sich gezogen hat, erstaunt. Immerhin stellt sich der Autor gegen einen der zentralen Glaubensinhalte des Christentums. Ohne Umschweife verwirft er die Trinität und die Gottheit Jesu:

  • «Jesus ist der Messias der Propheten Israels. Er ist nicht Gott selber, sondern der Sohn Gottes.» (Schildknecht Vaterhaus, S. 85)
  • «Der Heilige Geist ist auch keine eigene Person.» (Ebd.)
  • «Der Heilige Geist ist keine selbständige, vom Vater zu unterscheidende Person, sondern ist die Erscheinungsform Gottes in der Schöpfung selber.» (Ebd., S. 78)
  • «Somit ist schon die Aussage, dass der Vater und der Heilige Geist unterschiedliche Personen sind, irreführend, weil etwas unterschieden wird, wo kein Unterschied ist: Gott ist Geist und somit ist auch der Vater der Geist.» (Ebd. S. 79)
  • «Zusammenfassend stelle ich fest, dass die Trinitätslehre ein Versuch ist, Gott und seinen Messias in einem polytheistischen Umfeld zu erklären. Ein Versuch, der gemäss dem Wort Gottes zum Scheitern verurteilt ist.» (Ebd., S.86)

Vereinfachung statt intensivem Studium

Der promovierte Betriebswirtschafter Schildknecht führt ins Feld, seine Theologie aus dem Wort Gottes abgeleitet zu haben. In Bezug auf die Trinität schreibt er: «Es gibt in der Bibel nur drei Stellen, in der (sic) der Vater, der Sohn und der Heilige Geist zusammen erwähnt werden.» (Ebd. S. 79)

Diese Engführung ist natürlich eine Vereinfachung, die der Diskussion des Geheimnisses «Trinität» wenig Respekt zollt. Der Autor übergeht, dass viele einflussreiche Theologen nach heftigem Ringen mit biblischen Texten ihre Überzeugungen zur Trinität publiziert haben. Schon die Kirchenväter der Spätantike hatten sich bemüht, Modalisten und Monarchianern Paroli zu bieten.

Schildknecht hat es offenbar gescheut, lateinische und griechische Wälzer antiker Theologen zu konsultieren. Ratsam wäre es dann gewesen, wenigstens den aktuellen Diskurs zur Kenntnis zu nehmen und zu diskutieren. Auch dies hat der Autor unterlassen.

Und was hat Schildknecht getan, um seine Lehre im Nachhinein kritisch zu hinterfragen? Im selben Jahr, als sein Pamphlet erschien, publizierte der messianische Jude Asher Intrater ein Buch, das die Substanz gehabt hätte, Markus Schildknecht zum Rückzug seiner antitrinitarischen Schrift zu veranlassen:

  • Intrater Asher. Wer war bei Abraham zu Gast?: Die Erscheinungen Gottes in Menschengestalt in den hebräischen Schriften. Xanten 2016.

AT & NT beweisen die Gottheit Jesu vielfach

Intrater, der hebräischen Sprache mächtig, analysierte die Erscheinungen Gottes (JHWH) in Menschen- oder Engelgestalt zur Zeit des Alten Testaments. In Übereinstimmung mit den Aussagen des Neuen Testament beweist der Autor, dass sich bei diesen Auftritten jeweils Jesus, der Sohn Gottes, den Menschen gezeigt hatte und mit ihnen sprach.

Natürlich begründet Intrater seine Theologie mit Wiedergabe und Diskussion von Dutzenden von Bibelversen. Dass «der Vater, der Sohn und der Heilige Geist» nur in drei Bibelstellen gemeinsam genannt werden, ist ja nicht das Ende der theologischen Fahnenstange. Tatsächlich sind es weit über hundert Bibelverse (siehe Aufstellung), deren Aussagen vom Geheimnis sprechen, dass Gott in sich mehreren «Personen» vereint.

Dass menschliche Sprache und Erkenntnisfähigkeit immer nur an den unendlichen Realitäten Gottes nippen, ist selbstredend. Dass wir JHWH, den EINEN (Echad), den Gott Israels, nur im Geringsten erfassen können, offenbart die Bibel zur Genüge (cf. Visionen von Mose, Jesaja, Hesekiel, Daniel, Paulus, Johannes).

Doch wurde die Bibel ja gerade darum geschrieben, um Gott für die Menschen in Seiner Fassbarkeit darzustellen. Von 1. Mose bis Offenbarung 22 spricht die Bibel davon, dass Gott bei den Menschen wohnen will. «Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen! Er wird in ihrer Mitte wohnen und sie werden sein Volk sein; und er, Gott, wird bei ihnen sein.» Off. 21,3.

Um dieses gemeinsame Wohnen mit dem Heiligen Gott in der Ewigkeit für sündige Menschen möglich zu machen, musste Gott selber Mensch werden. Nur ER konnte die Sünde der Menschheit auf Sich nehmen. Bibelstellen dazu gibt es sehr viele. Eine dieser Stellen, die explizit die Gottheit Jesu benennt, sei hier zum Schluss noch genannt: «Darum bezeuge ich euch am heutigen Tage, dass ich rein bin vom Blut aller; denn ich habe nicht unterlassen, euch den ganzen Ratschluss Gottes zu verkündigen. So habt nun acht auf euch selbst und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist eingesetzt hat zu Bischöfen, zu weiden die Gemeinde Gottes, die er durch sein eigenes Blut erworben hat.» Apg. 20,28 Gott hat Sein eigenes Blut vergossen. 

Warnung vor der Rückkehr unter das jüdische Gesetz

Natürlich dürfen Markus Schildknecht und andere «Christen» glauben, was sie für richtig halten. Gläubige haben die Freiheit, die antitrinitarische Lehre zu übernehmen. Tatsache bleibt, dass diese Lehre sich bibel-theologisch nicht belegen lässt. Ganz im Gegenteil. AT und NT sprechen eine deutlich andere Sprache.

Die Christenheit hat immer gut daran getan, wenn sie Inhalte und Richtlinien ihres Glaubens gemäss der «Heiligen Schrift» definierte. Es gibt viele hundert Bibelstellen, die vom konstitutiven, exklusiven und bindenden Charakter der «Schrift» sprechen. Einige zentrale Stellen sind: Jos. 1,8-9; Ps. 1; Mt. 26,54; Mk. 12,24; Lk. 24,25-32.45-49; Joh. 10,35; 2. Tim. 3,14-16; 2. Pt. 1,20-21; Off. 22,18-19.

Jesus sagte: «Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von dessen Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen.» Joh. 7,38. Liebe, Friede, Freude, Segen, Reifung und Frucht in der Nachfolge Jesu sind vom Glauben und Befolgen der biblischen Anweisungen abhängig. Wer die Gottheit Jesu verwirft, driftet leicht in Richtung eines gesetzlichen Judaismus, der Gott wieder in eine unfassbare Ferne rückt. Wie sehr Paulus unter dieser unchristlichen «Theologie» litt und wie vehement er sie bekämpfte, ist im Galaterbrief nachzulesen.

Wer in der herrlichen Freiheit der Kinder Gottes (Röm. 8,21) und der Liebe zu Gott wachsen will, ist gut beraten, sich der antitrinitarischen Lehre zu verschliessen und stattdessen die heilsame Lehre der ganzen Bibel zu befolgen.