Wenn Christen das Evangelium preisgeben
Ende Juni 2026 trafen sich in Freiburg 700 Personen zur grössten theologischen Konferenz der Schweiz. Eingeladen hatte das «Zentrum Glaube & Gesellschaft» der Theologischen Fakultät, Universität Freiburg. Die Konferenz tagte unter dem Titel "Götzen.Bilder.Sturm". Sie stellte den Teilnehmenden in Aussicht, die "Welt im Lichte des Evangeliums" sehen zu lernen, um "die gute Botschaft" auch anderen zugänglich machen zu können.
Okay. Doch was ist "das Evangelium"? Was bedeutet "die gute Botschaft"?
Tatsache ist, dass es sehr unterschiedliche Interpretationen gibt, was der Kerngehalt des Evangeliums sei. Doch eine Differenzierung des Begriffs schien den Organisatoren der Konferenz unwichtig. Die Hauptaussage des einladenden Flyers war in etwa so zu interpretieren: Es gibt in der aktuellen, digitalen Gesellschaft eine Flut von Bildern, die vielfach zu Götzen werden. Diese sollen an der Konferenz gestürmt und durch das Evangelium ersetzt werden.
Unscharfe Begriffe in PR und Theologie
Viel wichtiger als die Verwendung eindeutiger Begriffe war dem verantwortlichen OK offensichtlich, wer an der Konferenz auftritt, und welche Organisationen die Tagung unterstützen. Dies jedenfalls ist die unübersehbare Botschaft des Einladungs-Flyers.
Spätestens bei dieser Weichenstellung hätten die PR-Leute im OK ihr Veto einlegen müssen. Denn die Konferenz-Verantwortlichen erstellten einen Pool von Referenten und Unterstützern, die z.T. völlig unvereinbare Positionen in Bezug auf «das Evangelium» vertreten.
In weit grösserem Masse als bei den "Referenten" wurden Bruchstellen fassbar bei den "Unterstützern" der Konferenz. In den Kategorien «Patronat», «Netzwerk» und «Partner» wurden 36 unterstützende Organisationen aufgeführt, deren theologische Positionen z.T. absolut gegensätzlich ausfallen.
Dessen ungeachtet hat sich das OK entschieden, theologischer Unvereinbarkeit in ihrer einladenden PR keine Bedeutung zuzumessen. Der grossen Anzahl Interessierter, die via Werbung und Homepage von der Konferenz erfahren haben, wurde folglich mitgeteilt: Der Veranstalter und 36 unterstützende christliche Organisationen lehren, wie Götzenbilder durch «das Evangelium» zu ersetzen ist.
Unüberbrückbare Gräben
Da das OK auf die Differenzierung der Begriffe, das Erfassen unvereinbarer Theologien und eine biblische Beurteilung der erstrebten kirchlichen Einheit verzichtet hat, soll diese Aufgabe auf den folgenden Zeilen nachgeholt werden.
Die grösste Kluft zwischen den Theologien wird vor allem bei der Bestückung des «Patronats» deutlich. Das OK übertrug diese ehrenvolle, stark ausstrahlende Funktion den grössten drei Kirchenverbänden der Schweiz:
- Evangelisch-Reformierte Kirche Schweiz (EKS)
- Schweizer Bischofskonferenz (SBK)
- Freikirchen Schweiz (FKS)
Würde man nun die Leitungspersonen dieser drei Organisationen fragen, wie diese Verbände "das Evangelium = die gute Botschaft" definieren, so würde man sehr unterschiedliche Antworten erhalten.
Die erstgenannte EKS ist eine weitgehend humanistische Organisation. Sie frönt einer säkularisierten, liberalen Theologie. Natürlich hausiert sie in der grossen Öffentlichkeit nicht dauernd damit, dass:
- … sie nicht daran glaubt, dass Jesus Gott ist.
- … sie nicht daran glaubt, dass Jesus Tote auferweckt hat.
- ... sie nicht daran glaubt, dass Jesus Sein Leben als blutiges Schuldopfer für die Menschen gegeben hat.
- … sie nicht daran glaubt, dass Jesus leiblich auferstanden ist.
- … sie nicht daran glaubt, dass Jesus im Himmel zur Rechten des himmlischen Vaters sitzt.
- … sie nicht daran glaubt, dass Gott die Menschen in einem letzten Gericht beurteilen wird, sodass sie die Ewigkeit entweder im Himmel oder in der Gottesferne des 2. Todes verbringen werden.
- Natürlich gibt es bei echten Liberalen auch keinen Teufel, keine Dämonen, keine Todsünden und keine Verdammnis.
Quasi alle diese Sachverhalte hat die "aufgeklärte Vernunft " verworfen, weil die liberale Theologie die Bibel als Sammelsurium von Wahrem und Falschem, von Ideen und Deutungen, von Geschehnissen und frei Erfundenem definiert.
Natürlich sind Mitmenschen frei, sich der liberalen Theologie zu verschreiben. Die meisten EKS-Leitungspersonen sind also vermutlich Agnostiker oder Deisten. Hilfreich wäre es dann, wenn sie öffentlich zu verstehen geben, dass sie nicht etwa "Christliche Kirchen" leiten, sondern z.B. "agnostische Institutionen". Das ist ja etwas Grundverschiedenes!
Eine «Christliche» Kirche bezieht ihre Bezeichnung vom Messias (= christos) Jesus. ER, der auferstandene Kyrios (= HERR), hat der christlichen Kirche (kȳrikón = dem HERRN gehörig) ihren Namen gegeben. Für alle Dienste in Seiner Kirche sollte also die Führung Jesu bindend sein.
Doch wie sollen liberale Pfarrer die Stimme Jesu hören, wenn sie glauben, dass er nur ein guter Mensch war, der seit bald 2000 Jahren tot ist? Und, wie sollten sie ihre Lehre ganzheitlich von einer Bibel ableiten, die sie historisch-kritisch pulverisieren zu einem humanistischen Jekami?
Das «Evangelium» der Liberalen
Dass es in diesen Leitungsgremien auch Jünger und Jüngerinnen von Jesus hat, welche ihr Leben in Treue zur ganzen Bibel (Sola Tota Scriptura) führen, ist anzunehmen. Doch öffentlich fassbar werden fromme Pfarrer/-innen kaum mehr (das letzte wirksame Aufmucken gegen den Zeitgeist und die EKS war www.mt194.ch im Jahr 2019). Seither halten sich die Bibeltreuen zurück mit proaktiven, kontroversen Aktionen in der grossen Öffentlichkeit. Sie sprechen vielleicht im geschützten Rahmen ihres Kirchenumfelds über ihren Glauben an den gnädigen, aber auch strafenden Gott. Sie mögen lehren zu den Themen: Sünde und Gehorsam. Zeit und Ewigkeit. Himmel und Hölle. Sie mögen mit guten Projekten da und dort lokale oder regionale Ausstrahlung gewinnen. Doch die grosse Öffentlichkeit (z.B. Wort zum Sonntag, Reformierte Presse, Fokus Theologie, Reflab) überlassen sie quasi kampflos den Liberalen.
Das «liberale Evangelium», mit welchem entmythologisierte Kirchenleute vors Volk treten, lautet dann in etwa:
- Jesus war ein guter Mensch. Er hat uns ein Vorbild gegeben, auch recht lieb zueinander zu sein.
- Gott ist ein vergebender Gott. Also vergeben wir uns auch.
- Abtreibung ist voll okay, denn die Würde der Frau ist unantastbar.
- «Die Heiliggeistkraft» hilft dabei, letzte Reste des Patriarchats aus unseren weltoffenen Kirchen zu vertreiben.
- Homosexualität, Gender und sonstwelche volatilen Partnerschaftsmodelle sind gut und hochwillkommen.
- Zudem helfen wir mit dem grünen «Güggel», die Welt vor dem Klimakollaps zu retten.
- Über die Ewigkeit können wir dem Kirchenvolk nichts Gesichertes sagen: aber es kommt schon gut.
Ein hochaktuelles Beispiel einer "evangelisch-reformierten" Meisterleistung liefern gerade die "Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn", die als "Partner" der Freiburger Konferenz "Götzen.Bilder.Sturm" in Erscheinung treten. Diese "Christen" sind offenbar nicht nur liberal und queer, sondern auch noch multireligiös. Auf ihrer Homepage laden sie jedenfalls ein zu einer multireligiösen Feier in der Berner St. Peter und Paul-Kirche am 26.07.26. (siehe dazu Endnote 1).
Das Evangelium der Postkatholischen und Postevangelikalen
Natürlich fragt man sich, wie ein solches Patronat überhaupt entstehen konnte. Denn die SBK und die FKS vertreten ein völlig anderes «Evangelium». Exponenten dieser beiden Kirchenverbände sind zwar in einzelnen Themen auf theologische Abwege gekommen (z.B. Sexualmoral, Frauenpriestertum, Heiligung, Apologetik). Vor allem die unbiblische Sexualmoral scheint bei einzelnen Leitenden von SBK und FKS gut angekommen zu sein, sodass sie der LGBTQI*-Bewegung immer mal wieder ein öffentliches «Kaiseropfer» bringen (siehe dazu).
Im Kern aber stehen die meisten Mitglieder von SBK und FKS noch immer für das «Evangelium des Neuen Testaments». Dort wird weder die Gottheit Jesu verworfen, noch Seine Wundertaten, noch Sein Angebot der Vergebung und der Rettung, weder Sein Sühnetod, Seine Auferstehung und Himmelfahrt, Seine Herrschaft über Himmel und Erde, noch sein Gericht am Ende der Tage.
Die «gute Nachricht» lautet hier: Menschen müssen nicht verloren gehen, wie sie es verdient haben. Gott hat sein eigenes Blut vergossen (Apg. 20,28), um den Reumütigen vergeben zu können. (Hebr. 9,11ff.)
«Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.» Joh. 3,16
Der Unglaube bleibt eine Option freier Menschen. Gott zwingt niemanden dazu, ewig in Seiner Heiligkeit zu leben. Menschen haben die Wahl, verloren zu bleiben.
Das biblische Evangelium bedeutet also: unverdiente Vergebung und Errettung durch Annahme der Herrschaft Gottes und seines blutigen Selbstopfers am Kreuz. Der Heilige Geist bringt den Erretteten sodann die Liebe Gottes, ewiges Leben und will sie in Freiheit und wachsende Gottesfülle führen. Das wahre Evangelium ist also Ewigkeiten entfernt von einem «liberalen Pseudo-Evangelium».
Strategie der Konferenz-Organisatoren?
Gegensätzlichkeit und Unvereinbarkeit sind unübersehbar. Warum also haben die Organisatoren die schädigende Unschärfe bei der Zielsetzung, der Programmierung und der Wirkung der Konferenz in Kauf genommen?
Gehen wir davon aus, dass die Belegschaft des Zentrums Glaube & Gesellschaft es gut meinte; dass das Team aus bibeltreuen Christen besteht, die vom wahren Evangelium überzeugt sind. Diese Nachfolger Jesu bedauern dann vermutlich den Zustand der EKS, deren Humanismus ehemals christliche Kirchen vielfach der Auszehrung preisgegeben hat. So initiierte das OK vielleicht eine Konferenz, die zur Bekehrung der im liberalen Heidentum gefangenen Kirchenleute dienen sollte. Also letztlich eine evangelistische, missionarische Veranstaltung, die zur geistlichen Erneuerung der evangelisch-reformierten Kirchen der Schweiz (EKS) führen soll.
Gut möglich. Ein hehres Ziel? Unbedingt! Ein gangbarer Weg???
Andere Evangelien zur Zeit des Paulus
Wenn die Annahme stimmt, dass die Organisatoren der Konferenz bibeltreue Christen sind, wäre es hilfreich gewesen, ihr Setting frühzeitig dem prüfenden Blick der neutestamentlichen Briefschreiber auszusetzen. Es wäre dem Team vielleicht schnell aufgefallen, dass es schon im 1. Jahrhundert n.Chr. die Unschärfe gab zwischen dem wahren Evangelium und gefälschten Versionen.
«Denn wenn einer zu euch kommt und einen andern Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gern!» 2. Kor. 11,4
In dieser Sache ist mit Paulus nicht gut Kirschen essen. An anderer Stelle wird er sehr vehement, als es darum geht die Wahrheit des Evangeliums zu verteidigen:
«Mich wundert, dass ihr euch so bald abwenden lasst von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem anderen Evangelium, obwohl es doch kein andres gibt. Es gibt nur einige, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren. Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.» Gal. 1,6-9.
Ist es vorstellbar, dass Paulus eine Konferenz veranstaltet hätte mit gesetzlichen Lehrern, die er eben noch zweifach verflucht hat? Never ever!
Biblische Anweisungen für den Umgang mit Irrlehren
Der rabiate Paulus ist aber keineswegs der Einzige, der im NT Anweisungen gibt, wie mit Irrlehrern zu verfahren ist. Auch Petrus und Johannes rufen dazu auf, sich zu distanzieren:
- «Ich ermahne euch aber, Brüder und Schwestern, dass ihr auf die achtet, die Zwietracht und Ärgernis anrichten entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und euch von ihnen abwendet. Denn solche dienen nicht unserm Herrn Christus, sondern ihrem Bauch; und durch süße Worte und prächtige Reden verführen sie die Herzen der Arglosen.» Röm. 16,17-18
- «Zieht nicht unter fremdem Joch mit den Ungläubigen. Denn was hat Gerechtigkeit zu schaffen mit Gesetzlosigkeit? Was hat das Licht für Gemeinschaft mit der Finsternis? Wie stimmt Christus überein mit Beliar? Oder was für ein Teil hat der Gläubige mit dem Ungläubigen? Was hat der Tempel Gottes gemein mit den Götzen? Wir aber sind der Tempel des lebendigen Gottes; wie denn Gott sprach: »Ich will unter ihnen wohnen und wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. Darum »geht weg von ihnen und sondert euch ab«, spricht der Herr; »und rührt nichts Unreines an, so will ich euch annehmen und euer Vater sein und ihr sollt meine Söhne und Töchter sein«, spricht der allmächtige Herr.» 2. Kor. 6,14-18.
- «Lebt als Kinder des Lichts - das Licht bringt nichts als Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit hervor -, indem ihr prüft, was dem Herrn gefällt, und beteiligt euch nicht an den fruchtlosen Werken der Finsternis, sondern deckt sie auf!» Eph. 5,8-11
- «Wir gebieten euch aber im Namen unseres Herrn Jesus Christus, dass ihr euch zurückzieht von allen Brüdern und Schwestern, die unordentlich leben und nicht nach der Überlieferung, die ihr von uns empfangen habt.» 2. Thess. 3,6
- «Halte dich fern von ungeistlichem, losem Geschwätz; denn es führt mehr und mehr zu gottlosem Wesen, und ihr Wort frisst um sich wie der Krebs. Unter ihnen sind Hymenäus und Philetus, die von der Wahrheit abgeirrt sind und sagen, die Auferstehung sei schon geschehen, und bringen einige vom Glauben ab.». 2. Tim. 2,16-18
- «Sie .. suchen, was ihnen Lust verschafft, nicht, was Gott gefällt; ihr Auftreten scheint zwar fromm, doch die Kraft der Religion haben sie verleugnet. Von solchen Leuten wende dich ab!» 2. Tim. 3,4-5
- «Einen Menschen, der abweichende Auffassungen vertritt, sollst du ein erstes und ein zweites Mal zurechtweisen, dann aber schick ihn weg!» Titus 3,10
- «Es waren aber auch falsche Propheten unter dem Volk, wie auch unter euch sein werden falsche Lehrer, die verderbliche Irrlehren einführen und verleugnen den Herrn, der sie losgekauft hat; die werden über sich selbst herbeiführen ein schnelles Verderben.» 2. Pt. 2,1
- Jesus nannte die irrleitenden Pharisäer öffentlich Schlangen, getünchte Gräber, Narren und Blinde, Söhne Satans (Mt. 23; Joh. 8,44). Paulus schrieb, gesetzliche Lehrer sollten sich doch gleich entmannen lassen (Gal. 5,12).
- «Wer zu euch kommt und nicht diese Lehre bringt, den nehmt nicht ins Haus auf und den Gruss entbietet ihm nicht.» 2. Joh. 10
- «Ich kenne deine Werke und deine Mühsal und deine Geduld und weiß, dass du die Bösen nicht ertragen kannst; und du hast die geprüft, die sagen, sie seien Apostel und sind’s nicht, und hast sie als Lügner befunden.» Off. 2,2-3 «Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi. Und das ist auch kein Wunder; denn er selbst, der Satan, verstellt sich als Engel des Lichts. Darum ist es nichts Großes, wenn sich auch seine Diener verstellen als Diener der Gerechtigkeit.» 2. Kor. 11,13-15
Bündnisse mit falschen Lehrern und Aposteln können auf Grund der oben zitierten Bibelverse nur als inadäquat verstanden werden. Nachfolger Jesu täten gut daran, Evangelisation, Gemeindebau und die Planung von Konferenzen ganzheitlich gemäss biblischen Anweisungen auszuführen. Vernünftige, zeitgeistaffine und harmonisierende Strategien, die die Öffentlichkeit von einer grossen kirchlichen Einheit überzeugen sollen, sind schädliche, menschliche Konstrukte.
Kein Sturm auf fromme Götzen
Leider war es nicht nur das disparate Patronat, welches theologische Defizite der Konferenz offenbar machte. Auch die anderen 33 staatlichen und kirchlichen Organisationen, die als Unterstützer von «Götzen.Bilder.Sturm» an die Öffentlichkeit traten, haben das verwirrliche Bild geprägt. Da gibt es liberalste Theologische Fakultäten neben der bibeltreuen Hochschule STH. Da gibt es eine fromme Landeskirche neben einer postkatholischen Klostervorsteherschaft. Es gibt bibeltreue Freikirchen (z.B. ICF) neben einer Vielzahl postevangelikaler Werke.
Auch die Auswahl der Referenten signalisierte theologische Unvereinbarkeiten. Da sprach die bibeltreue Koryphäe Johannes Hartl, aber auch Andreas Loos vom ultraliberalen «reflab», das mit Thorsten Dietz kürzlich noch Wellen geschlagen hatte für zerstörerische postevangelikale Sexualmoral (mit Tobias Faix). Es referierte der bibelfeste STH-Professor Stefan Schweyer, aber auch Tobias Haberl, der in seinem Bestseller «Unter Heiden» schrieb, «dass Muslime und Christen selbstverständlich denselben Gott anbeten.» (S. 14).
Es hätte also ausreichend Stoff gegeben, Idole und Irrlichter aus den eigenen Reihen zu benennen und zu diskutieren. Doch das wollte man nicht. Beim «Stürmen der Götzen.Bilder» nahmen die Referenten die böse Welt aufs Korn. So jedenfalls berichtete die christliche wochenzeitschrift IDEA (27.2026). Willkommenes Feindbild der Referenten war der Neoliberalismus der Tech-Giganten, die ihre Herrschaft über die Massen verfestigen mit einer Bilderflut, die «die Realität verschleiert und die Konsumenten im Uneigentlichen gefangen hält.» Durch masslose Bilder/Selbstbilder stehe eine konsumgeile Gesellschaft am Abgrund. Diese destruktiven, identitäts-verhindernden Bilder seien durch das Bild Gottes und das Bild des wahren Menschen, der nach Gottes Abbild geschaffen sei, zu ersetzen.
Da aber die Gottesbilder der genannten theologischen Lager z.T. auch wieder völlig unvereinbar sind, sind wir wieder auf Feld 1 angelangt.
Schade, hat man es an der Konferenz nicht gewagt, kirchliche Götzen zu entlarven und kontrovers zu diskutieren. Es wäre z.B. hochspannend gewesen, die manipulative Kraft eines entmythologisierten Jesus-Bildes zu beleuchten. Oder die Bilderflut agnostischer und deistischer Theologie, welche säkularisierend und lähmend tausende von Hörsälen und Kirchenräumen beherrscht.
Tatsächlich ist es eben auch und in speziellem Masse die liberale Theologie, welche «die Realität verschleiert und die Konsumenten im Uneigentlichen gefangen hält.»
Natürlich hätten die Konferenzmacher damit Unruhe, vielleicht sogar Eskalation riskiert. Liberale Pfarrherren und Kirchenräte wären vielleicht aus dem Saal gestürmt. Pseudochristliche Organisationen wären für eine Konferenz 2027 evtl. nicht mehr als Supporter und Donatoren zur Verfügung gestanden.
Doch die Katharsis echter biblischer Apologie hätte wahre Wunder in der öffentlichen Wahrnehmung des Evangeliums bewirken können. Schliesslich soll der Bevölkerung wieder die Möglichkeit gegeben werden, zwischen echtem Evangelium und kirchlichen Fälschungen zu unterscheiden. So können die Menschen dann Gottes wunderbares «Evangelium» wieder besser verstehen und annehmen.
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Endnote 1
Da der Werbetext für die Veranstaltung vom 26.07.26 in der christkatholischen Kirche Bern auf der Hompage der Reformierten Bern-Jura-Solothurn im Anschluss nicht mehr abrufbar sein könnte, sei er hier publiziert:
Queere multireligiöse Feier
Bei der queeren multireligiösen Feier wirken Personen aus dem Hinduismus, Judentum, Buddhismus, Christentum und Islam mit. Alle sind herzlich zu dieser Feier im Rahmen der BernPride eingeladen – unabhängig ihrer Religion, sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität. Anschliessender Apéro und die Gelegenheit, sich auszutauschen.
Quelle: refbejuso.ch/angebot/veranstaltungen/queere-multireligioese-feier