Evangelikale im Sog schädlicher Irrlehren
(Artikel teilweise ergänzt am 11.04.26)
Gemessen an den Warnungen der Bibel vor Irrlehrern sollten in christlichen Medien der Schweiz (IDEA, Livenet, ERF etc.) viel öfters die Alarmglocken schrillen. Doch gibt es bei diesen Organisationen wenig konsequente Abwehr von Irrlehren, die sich im Verlauf der letzten Jahre verstärkt ausbreiten. Dies erstaunt und macht betroffen. Die Verteidigung der rechten Lehre ist ein Schwerpunkt gesunder Theologie. Das Aufdecken und Widerlegen von Irrlehren ist Aufgabe jeder Epoche.
Kaum war die christliche Kirche im 1. Jhd. entstanden, prasselten falsche Lehren auf die Gläubigen nieder. Deshalb benannten und verwarfen Petrus, Johannes, Jakobus und Paulus in ihren neutestamentlichen Briefen bald eine Fülle von Irrlehren. Dies taten sie zum Teil mit sehr vehementen Formulierungen. Nichts da von gewaltfreier Sprache!
Bewegt wurden die Apostel dabei keineswegs von sturer Rechthaberei. Vielmehr waren sie als Gemeindehirten in Sorge um das gesunde Wachstum der ihnen anvertrauten Gläubigen. Schliesslich ist das Evangelium eine rettende, froh- und freimachende Botschaft.
In seinem Ringen um das Wohlergehen der Galater schrieb Paulus: «Es hatten sich aber einige falsche Brüder eingedrängt und eingeschlichen, um auszukundschaften unsere Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, und uns so zu knechten.» Gal. 2,4
Irrlehren berauben Nachfolger Jesu um einen Teil der Lebensqualität, die der Heilige Geist ihnen schenken möchte (Freiheit, Freude, Liebe, Frieden, Heiligkeit etc.). Wem es ein Anliegen ist, dass Mitchristen in der «herrlichen Freiheit der Kinder Gottes» (Röm. 8,21) zunehmen, der wird sich darum bemühen, dass diese vor unbiblischen Lehren bewahrt werden.
In einer Dreierserie von Artesio-Blogbeiträgen wird die Leserschaft darum informiert über drei Lehren/Bewegungen, die aktuell in evangelikalen Kreisen um Nachfolger buhlen:
- Postevangelikale Sexualmoral (fassbar in einem Teil der PR-Arbeit von Campus für Christus, ERF, Freikirchen-Verband und sowie einzelnen Freikirchen)
- Pseudo-Messianischer Judaismus (Verneinung der Gottheit Jesu; Buchtitel: ‘Vaterhaus’ von Markus Schildknecht)
- Allversöhnung (Buchtitel: ‘Die Hütte’ und ‘Lügen, die wir über Gott glauben’ von William Paul Young
Damit die Artikel nicht zu lange ausfallen, befasst sich der heutige Text lediglich mit der postevangelikalen Lehre. Bzgl. der anderen Lehrkonstrukte folgen im Abstand von einigen Wochen weitere Blog-Beiträge.
Postevangelikale und die Homosexualität
Die grösste Ausbreitung bei Schweizer Freikirchen und christlichen Werken hat der neue, postevangelikale Umgang mit homo- und transsexuellen Menschen gefunden. Auf Grund einer neuen Art und Weise, Bibelverse in AT (Bücher Mose) und NT (Römer- und 1. Korintherbrief) zu interpretieren, wird Homosexualität als Teil der Schöpfungsordnung Gottes anerkannt.
Gott habe im 15. Jhd. v.Chr. durch Mose lediglich missbräuchliche Homosexualität verboten, die von Dominanz-Verhältnissen, Tempel-Prostitution und Promiskuität bestimmt gewesen sei. Wenn ein homosexuelles Paar treu zusammenlebe, entspreche dies dem Willen Gottes. Solche Homo-Paare seien heute in christlichen Gemeinden herzlich willkommen.
Auch als Mitarbeitende dürften sie fungieren (vgl. Skandal um den ehemaligen Präsidenten der Deutschen Evangelischen Allianz; Michael Diener hat sich zwar entschuldigt, aber seine Lehre nicht widerrufen).
Postevangelikale lehren also, dass Homo-Paare seit 3'500 Jahren auf Grund eines falschen Sündenverständnisses grosses Unrecht erlitten hätten. Nun endlich (!) locken «erleuchtete Theologen» mit progressiven Erklärungsmustern zu einem befreiten Leben; und ein guter Teil der Schäfchen folgt willig.
Warum solche Lehren so gut ankommen, beschreibt Paulus schon vor bald 2000 Jahren: «Denn es wird eine Zeit kommen, da sie die heilsame Lehre nicht ertragen werden; sondern nach ihrem eigenen Begehren werden sie sich selbst Lehrer aufladen, nach denen ihnen die Ohren jucken.» 2. Tim. 4,3
CfC, ERF & Freikirchen Schweiz
Leider hat die postevangelikale «Theologie» auch Anklang gefunden bei Leitungspersonen in ehemals bibeltreuen Freikirchen und Werken der Schweiz.
Auf Grund von kritischen Gegenstimmen bzgl. der vorliegenden BLOG-Serie sei hier erwähnt, dass diese Organisationen keineswegs für ihre Gesamtleistung kritisiert werden. Der Fokus liegt bei den folgenden Zeilen alleine auf der Akzeptanz und Verbreitung der schädigenden postevangelikalen Lehre. Kirchen und Werke mögen auf vielen Gebieten sehr gute Arbeit leisten. Doch das steht hier nicht zur Debatte. Vorliegend wird ausschliesslich eine Fehlentwicklung benannt.
Bedauerlich sind die postevangelikalen Signale des Missionswerks "Campus für Christus" (CfC), welches kurz vor Sylvester mit der Grosskonferenz "EXPLO 2025" in Zürich Aufmerksamkeit auf sich zog. Im Frühjahr 2025 war CfC in der christlichen Wochenzeitschrift IDEA kritisiert worden, weil ein Arbeitszweig des Werkes an einer postevangelikalen Tagung mitgewirkt hatte. Das war nicht das erste Mal, dass öffentlich fassbar wurde, dass CfC sich der postevangelikalen Theologie geöffnet hat. Schon 2017 gingen entsprechende Signale ins Land, als CfC in Luzern die Konferenz "EXPLO 2017" mit mehr als 5'000 Teilnehmern veranstaltete.
Säkulare Medien berichteten genüsslich darüber, dass Bischof Felix Gmür und Pfr. Gottfried Locher gemeinsam mit der Masse der EXPLO-Teilnehmer eine Lichterfeier im Luzerner Seebecken zelebrierten. Sowohl Pfr. Locher, damals noch Präsident der Schweizer Reformierten, als auch Bischof Gmür waren öffentlich bekannt für ihre liberale Haltung in Sachen Homosexualität. Von seiner hohen Kanzel hatte Locher breitenwirksam verkündet: «Homosexualität ist eine Schöpfungsordnung Gottes.»
Wer national bekannte Persönlichkeiten in einer Konferenz auf die Bühne stellt, gibt nicht nur ihrer Person Ausstrahlung, sondern auch den Hauptbotschaften, die diese Promis verkünden. Natürlich waren Locher und Gmür damals von der LGBT-Lobby längst massenmedial als Vorzeige-Geistliche abgefeiert worden. Wie bewusst CfC diese unheilige Allianz mit Locher und Gmür einging, ist nicht bekannt. Jedenfalls hat sich CfC trotz mahnender Stimmen niemals öffentlich von diesem "Fauxpas" disztanziert.
Ganz im Gegenteil. Der postevangelikale Bezug wurde noch nuancierter. Im Januar 2025 erschien «Campus We» (ein Arbeitszweig von CfC) in der Trägerschaft der postevangelikalen Tageskonferenz «Bunt glauben». Die Ehefrau des CfC-Leiters engagierte sich sogar in der Talk-Runde. Offenbar war die theologische Neurorientierung bei CfC schon so weit fortgeschritten, dass man sich in der Trägerschaft einreihte neben der unmissverständlichen «Regenbogenkirche». Dieser Arbeitszweig der «Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK)» postuliert die Homosexualität nicht nur als geheiligten Lebensstil, sondern hat darüber hinaus ein postevangelikales Kirchenangebot geschaffen. Dass die EMK wegen ihrer postevangelikalen «Theologie» im internationalen Umfeld längst auseinandergebrochen ist, scheint CfC nicht zu kümmern. Auch die christliche Medienarbeit ERF nicht, deren Arbeitszweig «Life Channel» ebenfalls zur Trägerschaft der Tageskonferenz «Bunt glauben» gehörte.
Es ist augenfällig, dass der «Verband der Schweizer Freikirchen» dem postevangelikalen Treiben einzelner Mitglieder keinen Riegel vorschiebt. Nun, das ist nicht weiter verwunderlich, weil Freikirchen-Präsident Peter Schneeberger der dritte Protagonist bei der Lichterfeier an der EXPLO 2017 in Luzern war. Sein gemeinsamer Auftritt mit den Honoratioren Bischof Gmür und Pfr. Locher sollte wohl die öffentliche Anerkennung des Freikirchenverbands erhöhen (erster BLOG-Artikel zum Thema). Natürlich ist eine solche PR ein Unding. Weder Schneeberger noch andere Kirchenführer können im Bunde mit liberalistischen, postevangelikalen Theologen auftreten, ohne ihr geistliches Profil zu schädigen. «Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig» (Gal. 5,9)
Der Freikirchen-Verband müsste der regebogenfarbigen EMK längstens die Tür weisen. Doch scheut man offensichtlich die Konfrontation und überlässt sich lieber der Profil-Erosion.
Keine Einsicht, keine öffentliche Diskussion
CfC & Co. sind von einem bibeltreuen Theologen der «Daniel-Option» wegen dem Setzen postevangelikaler Signale angemahnt worden. Die christliche Wochenzeitschrift IDEA berichtete darüber. Doch hat IDEA in Folge keine öffentliche Gegenrede oder gar eine Kurskorrektur der Kritisierten publiziert. Weder CfC noch ERF haben sich zu Wort gemeldet.
Auch Freikirchen, in deren Reihen die postevangelikale Sexualmoral Einzug gehalten hat (Teile von Vineyard, Bewegung Plus, Mennoniten), halten sich vom kritischen öffentlichen Diskurs des brisanten Themas fern. Weder legen die ehemals Bibeltreuen proaktiv eigene theologische Arbeiten zum Thema vor, noch grenzen sie sich ab von ultraliberalen postevangelikalen Vordenkern wie Dietz & Faix, die mit ihrem jüngsten Buch erst gerade für dekonstruierende «Theologie» und Sexualität geworben haben. Leider wird das demoralisierende Buch mitunter auch bei fontis verkauft; einer anderen christlichen Organisation, die als Brunnen-Verlag theologisch schon bessere Tage gesehen hat.
Die Basis der genannten Freikirchen und Werke überlässt man offensichtlich der Ungewissheit, wie weit der Grad der Post-Evangelikalisierung schon fortgeschritten ist. Verantwortliche mögen hinter geschlossenen Türen über den theologischen Dammbruch und interne Kritik diskutieren. Doch öffentliche Position bezieht man nicht. Auch hier scheint die Profilerosion und die daraus resultierende Verunsicherung nicht wirklich zu stören.
Die Gefühlslage des Paulus gegenüber den Galatern wird immer verständlicher:
- «O ihr unverständigen Galater, wer hat euch verzaubert, dass ihr der Wahrheit nicht gehorcht?» (Gal. 3,1 nach Schlachter)
- «Ihr lieft so gut. Wer hat euch gehindert, der Wahrheit weiter zu gehorchen? Solches Überreden kommt nicht von dem, der euch berufen hat. Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.» Gal. 5,7-9 nach Luther)
Nicht Rechthaberei, sondern Seelsorge
Glücklicherweise können Nachfolger Jesu in unseren Breitengraden die Bibel selbständig lesen, intepretieren und anwenden. Sie haben aber auch die Möglichkeit, sich unkritisch die Bibelauslegung von etwelchen Theologen zu eigen zu machen. Welchen Weg Christen auch immer wählen: verantwortlich, wie sie mit der Bibel umgehen, sind sie alle.
Die vorliegende, dreiteilige Blog-Serie über aktuelle Irrlehren ist geprägt von der Überzeugung, dass die Richtlinien der Nachfolge Jesu in erster Priorität von der Bibel (AT & NT) herzuleiten sind. Für ein solches Verhalten sprechen eine Vielzahl von Versen. In Bezug auf das AT sagte Jesus z.B.: «Die Schrift kann nicht gebrochen werden» (Joh. 10,35).
Im NT gibt es viele Hinweise, dass Gott uns Christen auch den NT-Kanon als bindend übertragen hat. Dass einzelne Kirchen der Bibel eine Fülle von eigenen Lehren angehängt haben (z.B. Katholiken), ist sehr bedauerlich. Noch schlimmer ist es, dass liberale "Theologen" grosse Teile der Bibel als ungültig erklärt haben (Entmythologisierung).
«Sola tota Sciptura»: der gesegnete Weg, den Glauben ausschliesslich auf den Aussagen der ganzen Bibel zu gründen, ist freiwillig. Natürlich bleibt die richtige Auslegung dabei vielfach ein Ringen, das in einem transparenten und fairen Diskurs ausgetragen werden soll.
Sünde verniedlichen oder umdeuten, ist nicht im Sinne der Bibel. Das NT erwartet von Christen, dass sie vollkommen sind (Mt. 5,48), den Gehorsam des Glaubens leben (Röm. 1,5; 16,26), die Sünde jederzeit ablegen (Hebr. 12,1) und dass sie die Heiligung vollenden in der Furcht Gottes (2. Kor. 7,1). Dass der zähe Kampf gegen die menschliche Sündhaftigkeit nur durch die Kraft des Hl. Geistes erfolgreich sein kann, daran lässt die Bibel keinen Zweifel. Auch homosexuell geprägte Menschen können diesen Aufruf Gottes zu einem heiligen Leben befolgen.
Leider haben sich viele Christen wegen dem existenziellen Kampf gegen die Sünde vom Weg ganzheitlicher Jüngerschaft abbringen lassen. Das will nicht heissen, dass sie deswegen keine Christen mehr sind. Auch postevangelikale Christen können ihren Glauben ernsthaft leben. Sie können es mit Teilen der Nachfolge überaus ernst nehmen. Doch im Bereich Sexualmoral gehen sie einen eigenen Weg. In der Bibel gibt es sehr viele Figuren, welche beim Gehorsam gegenüber den Geboten Gottes Abstriche gemacht haben (Gideon, Simson, David, Salomon, falsche Brüder, falsche Lehrer u.v.a.). Das bedeutet nicht, dass Gott diese Personen nicht liebte, sie mit Aufgaben betraute und einzelne von ihnen sogar stark segnete. Doch hatten ihre Kompromisse z.T. sehr schmerzliche, oft auch tödliche Konsequenzen. Sünde führt immer in Richtung Tod (Röm. 6,23) und schmälert somit zwingend das überfliessende Leben, das Jesus uns verspricht. Die erwähnten Lebensgeschichten warnen also davor, Sünde auf die leichte Schulter zu nehmen.
Wer diese Zeilen gelesen hat, tut gut daran, die postevangelikale Theologie anhand der Bibel zu prüfen und zu verwerfen. Zum eigenen Nutzen und zum Segen für andere, mit denen man das Leben teilt. Seelsorgliche Hilfe sucht man sich am besten bei Hirten und Lehrern, welche die Bibel ganzheitlich leben und lehren.